Der Spitalhof und die Familie Walbinger

Teil 3 – Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Hermann Rusam.

1700 kam auf dem Hof ein typisches ländliches Nebengewerbe hinzu: Der Bauer Hans Walbinger erhielt das Recht, in einem Nebenhäuschen Schnaps zu brennen. Die Familie Walbinger hatte für den Spitalhof große Bedeutung, denn ab etwa 1670 bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Hof nur noch in dieser Familie vererbt. Im 1 7. und 18. Jahrhundert erfolgte die Teilung des Hofes in drei Höfe, die von unterschiedlichen Pächtern bewirtschaftet wurden.

Das markgräfliche Oberamt Baiersdorf bestritt die von der Reichsstadt beanspruchte hohe Gerichtsbarkeit. So war z.B. 1707 ein wegen Unzucht straffällig gewordener Branntweinbrenner vom Spitalhof von markgräflichem Militär aus Baiersdorf abgeführt worden. Die Stadt reagierte nur mit einem papiernen Protest. 1796 wurde der Spitalhof preußische, 1806 bayerisch. 1848 löste man die Grundherrschaft ab, d.h. die Bauern wurden nun freie Eigentümer ihrer Höfe. Rechtlich gehörte der Spitalhof seit 1808 zur Gemeinde Erlenstegen und wurde mit dieser 1899 nach Nürnberg eingemeindet. 1824 umfaßte der Spitalhof drei Anwesen und sechs Häuser, in denen 25 Personen lebten.
Die drei aus dem Urhof hervorgegangenen Höfe sind heute noch zu erkennen:

  • Spitalhof 1 besitzt einen aus dem 18. Jahrhundert stammenden schönen Fachwerkgiebel mit für Nürnberg fast einzigartigen gekrümmten Bögen.
  • Das Anwesen Spitalhof 2 brannte 1989 ab und wich einem angepassten Neubau.
  • Das Doppelbauernhaus Spitalhof 3 hatte Johann Georg Kalb von Erlenstegen gekauft. Die Familie Kalb hielt über 100 Jahre die bäuerliche Tradition aufrecht.

Die letzte Bäuerin des Spitalhofes, Margarete Kalb, starb 1997. Ihr Sohn Hans Kalb, der seit seiner Kindheit in der Landwirtschaft mitgeholfen hatte, ergriff jedoch nicht den aussichtslosen Beruf des Bauern, sondern wurde städtischer Beamter. Wegen des sinkenden Grundwasserspiegels verschwand seit den 1950er Jahren der kleine Hofweiher im Osten, der zu den Quellen gehörte, die den Bärenbrunnen am Platnersberg speisten, und der wohl auch eine wichtige Rolle bei der ersten Ansiedlung des Hofes gespielt haben dürfte. Der den drei Anwesen einst gemeinsam gehörende Backofen steht noch. Daneben liegt der inzwischen wurmstichig gewordene Backtrog. Hier legten einst die Eltern, wenn sie mittags auf dem Feld arbeiteten, für ihren Sohn Hans eine Brotzeit — meist Schmalzbrot und Malzkaffee in einer Bügelbierflasche — nieder, damit dieser ein Essen hatte, wenn er von der Schule kam.

Auch der auf der Grundstücksgrenze der Anwesen Spitalhof 1 und 2 befindliche Schacht des alten Hofbrunnens ist erhalten geblieben. Es ist beabsichtigt, den Brunnen nach altem Vorbild mit Sandsteinumfassung und Dächlein wieder herzustellen.

1967 wurde das letzte Pferd weggegeben. Damals gab es noch vier Kühe auf dem Hof, 1977 vielleicht noch zwei oder drei. Bald darauf kam das endgültige Ende der Viehwirtschaft. Wenige Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der alte Hof von dichter Wohnbebauung umschlossen und wirkt heute wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

Der Blick ist von Nordosten her auf die drei zum Spitalhof gehörenden Höfe gerichtet. Das hübsche Fachwerkgebäude rechts (Spitalhof 1) stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der Westgiebel des Hauses ist dagegen aus Sandstein erbaut. Das weißgetünchte Haus links daneben war einst der Viertelhof Spitalhof 2. 1989 brannte das alte Gebäude ab und wurde inzwischen durch einen den alten Bauformen angepassten Neubau ersetzt. Der Halbhof links im Bild (Spitalhof 3a und 3b) gehört seit 1872 der Familie Kalb. Im linken Gebäudeteil befanden sich die Stallungen. Östlich des Bauernhauses lag früher der Hofweiher. Da hier eine natürliche Wasserstelle war, hat man wohl um die Mitte des 14. Jahrhunderts an dieser Stelle den ursprünglichen Hof angelegt (Aufnahme vom 05.04.2003. Bildwiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Nikolaus Rießner).

Category : Geschichte

2 Kommentare → “Der Spitalhof und die Familie Walbinger”


  1. Mirko A. Judernatz
    3 Jahrs her

    Hallo,
    sehr interessanter Artikel! Gibt es ihn auch noch tiefergehender? Ich stamme von Johann Walbinger (+1826), der wiederum mit der Tochter Anna, des Spitalhofpächters Leonhard Walbingers Tochter, verheiratet war, ab, und wäre an näheren Informationen sehr interessiert.
    Mit freundlichen Grüßen
    Mirko A. Judernatz


  2. F.-P.Walbinger
    2 Jahrs her

    Hallo,

    ein sehr interessanter Bericht! Ich war sehr überrascht, was alles erscheint, wenn man seinen Familiennamen eingibt!


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